26.10.2019 07:00 Alter: 25 days
Kategorie: Aktuelles Heft, Startseite

Lämmermarkt: Junge, vollfleischige Lämmer sind in Zukunft wirklich gefragt

Matthias Pleschberger von der Österreichischen Schaf- und Ziegenbörse sprach im Interview mit uns über die Lage am Lammfleischmarkt und worauf sich österreichische Lämmererzeuger einstellen sollten.

Foto: Lang

Vor gut einem Jahr wurde die „Abgabe lebend an Endverbraucher“ neu geregelt. Wie ist die Marktlage heute?

Vor der Neuregelung gab es die Möglichkeit, Altschafe, Leicht- und Magerlämmer über diesen Weg zu vermarkten. Da das jetzt wegfällt, gab es schon Turbulenzen am Markt. Auch bei den Betrieben. Bei uns heißt das: stärkere preisliche Differenzierung und teilweise fehlende Absatzmöglichkeiten. Aber grundsätzlich entwickelt sich die Branche sehr positiv. Der Trend zur Schafhaltung zieht sich durch ganz Europa und deshalb ist auch der Trend Richtung Qualität ganz enorm. Der Junglammsektor, unter 6 Monaten, erzielt gute Preise und bei den anderen sinken die Nachfrage und der Preis. Deshalb müssen sich die Betriebe darauf einstellen, vollfleischige Qualitätslämmer zu erzeugen.

Wie sehen diese Qualitätslämmer aus?

Junge, kurzwollige, vollfleischige Lämmer mit einem Schlachtgewicht von 16 – 24 kg. Im EUROP-System bedeutet das Lämmer der Klassen E, U und R – wobei E eigentlich gar nicht gewünscht ist – und Fettklasse 2–3.

Warum ist die beste Klasse E nicht erwünscht?

Wir wollen den Kunden nicht an das gewöhnen, was in der Produktion teuer und selten erreichbar ist. Wir bieten das, was der Bauer mit den vorhandenen Mitteln am Betrieb einfach erreichen kann. Deshalb müssen wir schauen, dass die Betriebe R und U mit Fettklasse 2 produzieren. Aber wir brauchen auch eine gewisse Toleranz. Das ist unseren Betriebsstrukturen geschuldet. Ein Betrieb mit 25 Mutterschafen kann nicht wegen zwei Lämmern, die gerade das optimale Gewicht haben, zur nächsten Verladestelle fahren. Deshalb haben wir mit 16–24 kg Schlachtkörpergewicht eine sehr große Spreizung im Vergleich zu anderen Tierarten. Aber wir müssen unseren Bauern einen gewissen Rahmen bieten. Für uns als Börse muss es das Interesse sein, so viele Betriebe wie möglich in diesem Raster unterzubringen.

Wo finden die älteren Alm-Lämmer Platz in diesem Raster?

Wir haben in Österreich Alterskategorien eingeführt. Nach dem Milchlamm gibt es das Junglamm, zwischen drei und sechs Monaten, dann kommt Berg- und Weidelamm, von acht bis 12 Monaten, dann Jungschaf, dann Schaf. Mit einer Endmast kommt man auch mit einem Almlamm auf gute Qualitäten, obwohl es grundsätzlich nicht klug ist, mit dem Lamm auf die Alm zu gehen…

Über die Perspektiven am Bio-Lämmermarkt und welche technischen und organisatorischen Veränderungen in der Vermarktung ins Haus stehen, lesen Sie im vollständigen Interview in Schafe & Ziegen aktuell 6/2019.