14.11.2023 00:00 Alter: 222 days
Kategorie: Aktuelles Heft, Startseite

Obstbäume auf der Weide schützen

Von unseren Nutztieren lassen sich Schafe und Ziegen wohl am meisten einfallen, um an Blätter, Zweige, Knospen und Rinde der Obstbäume zu gelangen. Hier finden Sie Tipps eines Praktikers, wie Sie Bäume auf der Weide am besten schützen.

Foto: Glanz

Streuobstwiesen stellen einen der artenreichsten Lebensräume in der Kulturlandschaft Mitteleuropas dar. Infolge der zunehmenden Mechanisierung wurden Obstbäume oft als Hindernis gesehen und entfernt oder Bestände wurden nicht mehr gepflegt und sind überaltert. Durch Rückbesinnung auf eine Mehrfachnutzung dieser Standorte kann – unter Berücksichtigung von Erfordernissen einer modernen Bewirtschaftung – deren Wirtschaftlichkeit erhöht und so vielleicht zumindest ein Teil dieser wertvollen Biotope bewahrt und verjüngt werden. Die Beweidung mit Schafen und Ziegen stellt dabei nicht nur aus ökologischer Sicht eine ideale Möglichkeit dar. Durch eine Mehrfachnutzung (Weide, Mähwiese, Obstproduktion) ergeben sich nämlich in puncto Tier- und Pflanzengesundheit sowie beim Ertrag gegenseitige Synergien.

 

Verbissschutz

 

- Soll nicht bis ganz zum Boden reichen (ca. 20–30 cm darüber), einerseits um so den Tieren zu ermöglichen, den Boden bis ganz an den Stamm zu vertreten (Wühlmausschutz), andererseits um die Bodenbearbeitung beim Jungbaum (Hacken, Düngen, Mulchen, Gießen) zu erleichtern.

- Soll leicht zu öffnen sein, ebenfalls um die Baumpflege zu erleichtern (Entfernen von Stammausschlägen, Behandlung von Verletzungen, Erneuern der Anbindung). Konstruktionen mit Brettern oder Paletten haben zum einen den Nachteil, dass die Tiere nur schwer bis an den Stamm herantreten können, zum anderen kann es recht aufwändig sein, sie für diverse Arbeiten zwischenzeitlich zu entfernen. Dafür haben sich kombinierte Vorrichtungen aus Draht bewährt, da damit die notwendige Stabilität mit geringstmöglichem Materialeinsatz erzielt werden kann. Gegenüber des ausreichend stark (mind. 5 x 5 cm) zu dimensionierenden Pflanzpfahles wird in ca. 30–40 cm Entfernung ein zweiter Pflock eingeschlagen, der auch geringfügig schwächer sein kann. Dies geschieht am besten schon beim Pflanzen, um die Wurzeln nicht zu beschädigen. Rund um den Stamm wird nun ein engmaschiges Drahtgeflecht (z.B. Sechseckgeflecht oder Volierengitter) lose einmal herumgewickelt, damit die Tiere nicht durch den äußeren Zaun hindurch den Stamm annagen können. Als äußerer Zaun wird ein herkömmlicher Wildschutzzaun (Höhe 1,50 m) verwendet. Dieser wird straff um die beiden Pfähle gewickelt und an beiden mit Binddraht oder Schrauben und Beilagscheiben befestigt, sodass sich ein steifes Gerüst ergibt. Dabei ist darauf zu achten, dass der Zaun aus den bereits oben genannten Gründen nicht am Boden ansteht, sondern ca. 20–30 cm darüber endet (gerade so hoch, dass die Tiere nicht mit dem Maul bis ganz zum Stamm gelangen, jedoch Gras verbeißen und die Baumscheibe vertreten können). Für Pflegearbeiten am Stamm können die äußeren Maschen aufgebogen und der engmaschige Draht um den Stamm kurzzeitig entfernt werden. Es gibt auch fertige Vorrichtungen wie z.B. die Normannische Korsette. Diese stammt, wie der Name schon sagt, aus Frankreich und wird dort bei der kombinierten Nutzung von Streuobstwiesen für Cidre-Produktion und Beweidung mit Rindern eingesetzt. Im Prinzip sind diese aus scharfkantigen Blechstreifen aufgebaut, welche zusätzlich aufgebogene Einkerbungen aufweisen, um die Tiere daran zu hindern, sich daran zu scheuern. Für den Einsatz mit Schafen müssen sie jedoch, wie ich aus eigener Erfahrung lernen musste, ebenfalls um einen engmaschigen Draht in deren Inneren ergänzt werden, da einige besonders geschickte Tiere sonst ihr Maul zwischen den Stäben durchzwängen und den Stamm anknabbern können. Für den deutschsprachigen Raum können sie über Michael Grolm von der Obstbaumschnittschule (obstbaumschnittschule.de) bezogen werden.

 

Erste Hilfe für Bäume

 

Sollte doch einmal ein Tier den Verbissschutz überwinden, ist das, sofern rasch erkannt, bei weitem noch kein Todesurteil für den Baum. Bewährt hat sich das Anlegen eines Lehmverbandes. Dabei wird Lehmpulver mit Wasser abgerührt und die Masse mithilfe eines Jutebandes um den Stamm herumgewickelt und glatt verschmiert. Nach einem Jahr sollte sich das Kambium nachgebildet haben und der Baum wieder gesund sein.

 

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