17.11.2021 00:00 Alter: 18 days
Kategorie: Aktuelles Heft, Startseite

Weide im Winter

Schafe im Winterstall mit Silage und Kraftfutter zu füttern zählt in der Schafhaltung zum größten Kostenfaktor. Die Winterweide kann hier Abhilfe und neue Perspektiven für Schafhalter schaffen.

Foto: Neumann

Das Schaf ist das Nutztier, welches sich am besten zur Extensivierung eignet. Ein Umstand, dem nach wie vor zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Im Gegensatz zu Schwein oder Geflügel reproduziert sich ein Schaf pro Wurf mit lediglich zirka 190 %. Schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es daher notwendig, zumindest die Mutterschafe kostengünstig zu halten. Dazu ist auch noch im 21. Jahrhundert die Weidehaltung die günstigste und klimaneutralste Haltungsform. Das Angebot an weidefähigen Zwischenfrüchten während der Herbst- und Wintermonate ist in den Niederungen nahezu unbegrenzt. In vielen Regionen endet die Weidezeit um Allerheiligen. Die Wiesen sind zu diesem Zeitpunkt meist abgeweidet. Würden die Schafe auf den Wiesen verbleiben, hätte dies Tritt- und Verbissschäden zur Folge. Ein englisches Sprichwort bringt diesen Umstand auf den Punkt: „Wir müssen das Gras vor den Schafen schützen, nicht die Schafe vor dem Wetter.“

 

Tipps aus der Praxis

 

Herden können durch die Winterweide auf Fremdflächen unabhängig von Eigenflächen und vorhandenen Stallkapazitäten vergrößert oder aus dem Berggebiet im Flachland auf Lohnbasis überwintert werden. Für Ackerbauern stellt vor allem das Einarbeiten der Biomasse durch Mulchen (ca. 33 €/ha) und Eggen (ca. 22 €/ha) einen erheblichen Kostenaufwand dar, der durch die Beweidung während der Herbst- und Wintermonate eingespart werden könnte. In der gegenwärtigen Klimadebatte wird sich auch die Landwirtschaft um klimafreundliche Produktionsformen bemühen müssen. Eine Einsparung, die im Ackerbau und bei der Winterfutterkonservierung schlagend wird. Durch den Verbleib von Kohlenstoff im Tier ist die Nährstoffbilanz bei der Beweidung immer negativ. Die Pflanzenverfügbarkeit der Nährstoffe wird jedoch durch Kot und Urin der Schafe erheblich verbessert. Nach Auskunft der AMA sollte etwa ein Drittel der Pflanzenmasse auf der Fläche verbleiben, um die ÖPUL-Begrünungsvarianten nicht zu gefährden. Durch den Wechsel der Schafe im Spätherbst von Grünland auf Ackerbegrünungen können so Synergien zwischen Schafhaltern und Ackerbauern genutzt werden.

Ob Maisstroh, Saatenweide, diverse Begrünungen inklusive Rüben und Rettich oder Auswuchs – Schafe können als Wiederkäuer diese Grünmasse perfekt zum Nulltarif nutzen. Bei dieser Haltungsform hat sich die schlagweise Einzäunung der gesamten Fläche mit drei bis vier Litzen am besten bewährt, damit gleichmäßig abgefressen wird. Handelsübliche Elektronetze sollten an den Ecken abgespannt werden, da während der kalten Jahreszeit der Druck durch Schnee und Raureif die Netze einknicken lässt. Begrünungen haben einen hohen Wassergehalt und weisen gleichzeitig wenig Rohfaser auf. Durch das Angebot einer geringen Menge Futterstroh kann die Herde gezielt über den Bedarf an Rohfaser beobachtet werden. Nehmen die Schafe das Stroh an, ist der Zeitpunkt gekommen, um gezielt Stroh über eine Rundraufe zuzufüttern. Vorsicht bei der Beweidung von Rotklee: Dieser eignet sich zwar optimal für die Lämmerausmast, bei Mutterschafen wirkt sich der erhöhte Östrogengehalt jedoch negativ auf das Brunstverhalten aus, weshalb Rotklee vermieden werden sollte.

 

Lammen im Freien

 

Schafe können sehr gut mit verschiedenen Wetterlagen umgehen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben: In unserer Kulturlandschaft können Waldränder, Bäume, vom Wind abgewandte Hanglagen, Senken und dergleichen als Witterungsschutz ausreichen. Die Kenntnis über das Trächtigkeitsstadium der Herde ist wichtig, um Ablammungen auf der Winterweide zu verhindern. Die Winterweide kann grundsätzlich den gesamten Winter hindurch bis in den Frühling praktiziert werden. Anfang April ist dann der Zeitpunkt, um zurück auf das Grünland zu wechseln. In Großbritannien setzt sich immer mehr der Trend zur Ablammung im Freien nach dem Wechsel auf das Grünland durch. In unseren Breitengraden ist diese Haltungsform noch relativ unbekannt, gewinnt jedoch unter innovativen Schafhaltern zunehmend an Interesse. Im Fall einer Frühjahrsablammung sollten die Mutterschafe fünf bis sechs Wochen bevor sie lammen aufgestallt und nach BCS (Body Condition Score) getrennt leistungsgerecht angefüttert werden. Die Schafe haben so genug Zeit, um in Kondition zu kommen und sich an die Futterumstellung zu gewöhnen. Bei einer Ablammung Anfang April wäre der ideale Zeitpunkt zur Aufstallung dann Mitte Februar. Im Mai, wenn die Wachstumskurve im Grünland richtig nach oben geht, sind die Lämmer bereits weidefähig und das junge Gras „wächst ihnen ins Maul“.

 

Den vollständigen Artikel und weitere spannende Berichte lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Schafe&Ziegen aktuell! Hier gratis Probeheft bestellen.