20.03.2019 07:00 Alter: 246 days
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Mehr heimisches Kitz auf unsere Teller

Ziegenmilchprodukte erfreuen sich wachsender Beliebtheit, doch die Vermarktung der anfallenden Ziegenkitze ist schwierig. Dabei ist Kitzfleisch ein besonderer Genuss, der traditionell im Frühjahr auf der Speisekarte steht. Die Landwirtschaftskammer OÖ und der OÖ Landesziegenzuchtverband wollen das jetzt ändern und die ganzjährige Kitzvermarktung ankurbeln.

Foto: Koch mit Herz

Mögen Sie Ziegenkäse? Dann essen Sie doch auch einmal Kitz! – So lautete der Aufruf der Landwirtschaftskammer und des Landesziegenzuchtverbandes Oberösterreich kürzlich bei einer Pressekonferenz. Der Anlass: die Kitzsaison hat begonnen. Im Frühjahr werden in den Milchziegenbetrieben die meisten Kitze geboren und können von den Landwirten gut vermarktet werden. Das restliche Jahr über besteht allerdings kaum Nachfrage nach diesem noch weitgehend unbekannten Fleisch. Da die Ziegenmilchproduktion in den letzten Jahren stark gewachsen ist und dadurch immer mehr Kitze anfallen, ist die Kitzvermarktung für die Landwirte eine große Herausforderung. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich und der Oberösterreichische Landesziegenzuchtverband haben sich zum Ziel gesetzt, die Ziegenbauern bei der Vermarktung mit konkreten Maßnahmen zu unterstützen. „Ein wichtiger Schritt dabei ist, das Kitzfleisch in der Bevölkerung bekannter zu machen“, erläutert Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ.

Kitzfleisch: für qualitätsbewusste Konsumenten

„Für Konsumenten, bei denen beim Fleischkonsum die Qualität im Vordergrund steht, ist Kitzfleisch eine optimale Alternative und ein Geheimtipp. Die Vielseitigkeit bei der Zubereitung, der außerordentlich gute Geschmack und das Bewusstsein, durch den Kauf von Kitzfleisch ein natürlich und umweltschonend gewachsenes Stück Fleisch zu kaufen, garantiert dem Verbraucher Zufriedenheit und Genuss“, so Reisecker.

Absatzchance Direktvermarktung

Die Österreichische Schaf- und Ziegenbörse ist die wichtigste Kitzvermarktungsplattform und hat im Jahr 2018 ca. 3.000 Kitze vermarktet. Der Großteil der Tiere geht nach Deutschland oder wird über ein Kooperationsprojekt mit REWE abgesetzt. Doch die Erzeugerpreise über diese Schienen sind unbefriedigend und die Abnahme oft nicht gesichert. Diese schwierige Vermarktungslage liefert für die Betriebe keine Anreize, gute Schlachtqualitäten zu produzieren, was die Vermarktungschancen wiederum verringert.

„Die meisten Leute haben ja noch nie Kitzfleisch gekostet“, bringt Josef Stöckl, Obmann des Ziegenzuchtverbandes OÖ das Problem auf den Punkt. „Wir wollen die Leute dazu animieren, das Fleisch zu probieren mit dem Ziel, dass die Nachfrage auch unterm Jahr zunimmt.“ Dabei sind auch die Landwirte selbst gefragt. Da sich der Absatz über den Lebensmitteleinzelhandel schwierig gestaltet, ermutigt der Landesverband die Ziegenhalter dazu, Kitzfleisch nach Möglichkeit direkt Ab-Hof zu vermarkten. Die Landesverbände stellen den Ziegenhaltern auch Werbe- und Rezeptbroschüren zur Bewerbung von Kitzfleisch zur Verfügung.

Regelmäßiger Absatz und sichere Preise

Um die Kitzfleischvermarktung in Zukunft zu verbessern, hat der OÖ Landesziegenzuchtverband bereits einige Maßnahmen gesetzt. So veröffentlicht der Verband in Kooperation mit dem Foodblog „Koch mit Herz“ regelmäßig neue schmackhafte und kreative Rezeptideen rund um’s Kitzfleisch. Um noch mehr Lust auf Kitz zu machen, ist zudem eine neue Auflage der „Goas-News“ in Planung. Dieses Projekt bietet eine Landkarte mit einem Verzeichnis aller Kitzfleisch-Direktvermarkter, die den Kunden den Zugang zu besten Kitzfleischprodukten erleichtern soll. „Wir arbeiten laufend daran, die Abnahme männlicher Kitze für unsere Landwirte sichern zu können. Garantierte und vor allem zufriedenstellende Erzeugerpreise sind dabei natürlich oberste Priorität“, erläutert Stöckl. Darüber hinaus soll die Eigenvermarktung durch die Landwirte ausgebaut und die Klassifizierung der Schlachtkörper schrittweise angepasst werden.