06.07.2021 00:00 Alter: 84 days
Kategorie: Aktuelles Heft, Startseite

Landschaftspflege - keine Selbstverständlichkeit

Die Nachfrage nach Herden zur Landschaftspflege steigt. Um Flächeneigentümer, Weidetierhalter und Naturschutzorganisationen zu vernetzen, wurde im Vorjahr der „Verein für Hirtenkultur“ gegründet. Wir haben Obmann, Kassier und deren Tiere besucht.

Foto: Loibner

Seit Tausenden von Jahren wird unsere Landschaft von weidenden Pflanzenfressern geprägt. Somit haben sich viele Pflanzen- und Tierarten an diese Form der Landwirtschaft angepasst. Seit einigen Jahrzehnten sinkt der Anteil an beweideter Fläche dramatisch. Diese Entwicklung gefährdet sowohl unsere gewohnte Kulturlandschaft als auch die Artenvielfalt. Darum fordern Naturschutzorganisationen und -abteilungen immer wieder die Beweidung naturschutzrelevanter Flächen. Aber auch Privatpersonen, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Streuobstwiesen oder andere Flächen zu mähen, sind oft auf der Suche nach Beweidern. Doch wie findet man Weidetierhalter, die bereit sind, ihre Tiere auf oft unproduktive, vom Hof entfernte Flächen zu treiben, zu beaufsichtigen und zu versorgen? Andererseits sind auch immer wieder Weidetierhalter, meist kleinere Betriebe, auf der Suche nach zusätzlichen Flächen, auf denen ihre Tiere, am besten kostenlos, weiden dürfen. Diese beiden Interessensgruppen zu verbinden ist eines der Hauptziele des Vereins. Interessierte Landwirte können für 35 Euro jährlich Mitglied des Vereins werden, tragen sich in dessen Datenbank ein und werden sofort vermittelt, wenn sich in ihrer Nähe Pflegeflächen oder Beweidungsprojekte befinden. Aber auch bei Kontakten mit Behörden und Züchtern soll der Verein eine Hilfe sein. Außerdem werden Seminare, Kurse und andere Veranstaltungen vom Verein organisiert und Fachliteratur zur Verfügung gestellt. Stefan mit Ziegen Obmann Stefan Knöpfer ist ausgebildeter Tierpfleger, Baumpfleger, Nationalparkranger und Landwirt. Er hält seine 15–20 Ziegen rein zur Landschaftspflege, bewirtschaftet 2,5 ha Wald, Wiesen und Streuobstwiesen als Eigengrund und etwa 4 ha Pflege- und Pachtflächen in Neunkirchen (NÖ). Für die Beweidung von naturschutzrelevanten Flächen gibt es Prämien vom Land pro Hektar und eine Förderung pro Tier. Stefan bringt seine Tiere in der Vegetationsperiode jeden Morgen auf die umliegenden Pflegeflächen und abends wieder zurück in den Offenstall. Dabei geht er mit der Herde auch gerne durch seinen eigenen Wald. Er bleibt immer wieder für einige Minuten stehen und geht dann wieder weiter. „Auf diese Weise ist Waldweide kein Problem für die Jungbäume – im Gegenteil“, freut sich Stefan. Die Ziegen stürzen sich auf krautige Pflanzen und Blätter. „Würde man die Fläche einzäunen, wäre natürlich alles kaputt. Aber auf diese althergebrachte Weise der Wanderbeweidung ergibt sich nach einer Zeit ein wunderschönes Fraßbild, und die Flächen und Wege, die ich will, sind offen. Besonders im Winter sind die Brombeeren gut zu beweiden – und die müssen auch beweidet werden, damit sich die Jungbäume im Frühling durchsetzen können.“ Auf diese Weise hat sich ein anderes Problem von selbst gelöst: Entwurmung. „Wir haben mit chemischer Entwurmung begonnen, was den riesigen Nachteil hatte, dass auf den ganzen Flächen der Kot liegen blieb, weil am Entwurmungsmittel auch alle dungzersetzenden Insekten eingingen. Und das ist auf naturschutzrelevanten Flächen ein Widerspruch. Nun schauen wir, tierärztlich begleitet, wie viel Wurmbefall natürlich ist und ab wann es problematisch wird. Wenn die Ziegen das Beweiden gewohnt sind, wissen sie genau, was sie fressen müssen, um gesund zu bleiben. Sie fressen gezielt giftige Pflanzen wie Waldrebe, Efeu und sogar Eibe und behandeln sich damit selbst. Das funktioniert super“, erklärt der 36-Jährige.

Weitere Infos zum Verein und ihren Leistungen für Mitglieder gibt es in der aktuellen Juli-Ausgabe von Schafe&Ziegen aktuell und unter www.hirtenkultur.at Hier gratis Probeheft bestellen.