25.10.2021 00:00 Alter: 41 days
Kategorie: Aktuelles Heft, Startseite

Klimakiller oder Klimaretter?

Auch kleine Wiederkäuer stoßen Treibhausgase aus. Jedoch sollten sie eher als Teil der Lösung anstatt als das Problem in der Klimakrise gesehen werden.

Foto: agrarfoto.com

Klima ist definiert als das typische Wetter im Jahresverlauf in einer bestimmten Region. Es unterlag in der Erdgeschichte immer einem Wandel. Das Besondere unserer Zeit ist die Geschwindigkeit dieses Wandels sowie seine Ursachen. Die erwarteten direkten Effekte sind zum Beispiel ein Anstieg der mittleren Durchschnittstemperatur und veränderte Niederschlagsmengen. Daraus ergeben sich indirekte Effekte auf verfügbare Wassermengen, auf Ökosysteme und die Biodiversität. Diese Veränderungen werden sich sowohl direkt als auch indirekt auf die Landwirtschaft auswirken. Dabei ist die Landwirtschaft, wie viele andere Produktionszweige auch, nicht nur „Opfer“ des Klimawandels. In einem bestimmten Umfang ist sie auch Verursacherin desselben, da sie zur Emission klimaschädlicher Treibhausgase (THG) beiträgt. Den Hauptanteil an THG-Emissionen innerhalb des Landwirtschaftssektors, die Methan-( CH4)-Emissionen, verursachen Verdauungsprozesse der Wiederkäuer. Diese sind nahezu vollständig auf die Rinder- und Milchkuhhaltung (95 %) zurückzuführen. Sieben Prozent der globalen Emissionen verursachen kleine Wiederkäuer. Das von den Nutztieren ausgeatmete Kohlendioxid (CO2) wird meist nicht in die Treibhausgasrechnung einbezogen, da dieses durch das Fressen von Pflanzenmaterial ausgeglichen wird. In jedem Fall können Nutztiere nicht einseitig auf die Produktion von Treibhausgasen reduziert werden, da sie natürlich eine Reihe anderer bedeutender Funktionen haben.

 

Was Wiederkäuer können

 

Grünland bedeckt etwa 40 % der gesamten Landfläche. Im alpinen Raum sind es signifikant mehr. Nur Wiederkäuer sind, im Zusammenwirken mit Mikroorganismen, in der Lage, das dort wachsende Futter zu nutzen und in für den Menschen nutzbare Produkte wie Milch, Fleisch und Wolle umzuwandeln. Eine nachhaltige Weidehaltung mit angepassten Besatzdichten fördert gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit und bindet sowie speichert Kohlenstoff als Humus. Dadurch tragen Nutztiere auch wesentlich dazu bei, die Treibhausgasmengen zu begrenzen. Weidende Schafe pflegen jedoch auch die Kulturlandschaft. Damit erhalten sie die Grundlage des Tourismus, erfüllen wichtige Funktionen im Lawinenschutz im alpinen Raum und schaffen Arbeitsplätze. Nicht zuletzt sichern sie die menschliche Ernährung durch hochwertige Lebensmittel. Vor allem Fleisch wird über das Schaf wesentlich klimagünstiger erzeugt als über Schwein oder Geflügel. Wie sich die Treibhausgas-Bilanz durch Weidemanagement und Genetik verbessern lässt, lesen Sie in der Sept./Okt.-Ausgabe von Schafe&Ziegen aktuell! Hier gratis Probeheft bestellen.