24.08.2021 00:00 Alter: 35 days
Kategorie: Aktuelles Heft, Startseite

Gegen vieles ist ein Kraut gewachsen

Haben Tiere die Möglichkeit dazu, suchen und finden sie heilende Pflanzen und behandeln sich damit selbst. Auch der Mensch stellt seit langer Zeit Hausmedizin aus Kräutern für Mensch und Vieh her.

Foto: Resch

Unsere Großeltern kannten viele Kräuter und Stauden, die für die Gesundheit der Tiere und auch der Menschen am Hof gut waren. Es war selbstverständlich, dass mein Großvater die Stauden von der Eberesche und Himbeere sammelte und wie einen Schatz hütete. Alleine das Rascheln der getrockneten „Leckerlis“ löste bei den Tieren eine Begierde aus und sie verschlangen die Pflanzen regelrecht. Eine Studie der HBLFA Raumberg-Gumpenstein von Ing. Reinhard Resch, an der ich auch mitarbeitete, zeigt die Vorzüge des „Laubheus“. Getrocknete Blätter von Laubgehölzen weisen relativ hohe Gehalte an Calcium und Magnesium auf. Laub von Himbeere und Esche beinhaltet viel Rohprotein. Auch die Nadeln von Fichte und Tanne wurden den Tieren wegen der wertvollen Mineralstoffe vorgelegt. Auch Rinden sind wahre Schätze, was die Gesundheit betrifft. Wenn Schafe und Ziegen in einem Obstgarten gehalten werden, sollten die Bäume gut eingezäunt sein. Die Tiere fressen sonst die Rinde zur Gänze ab und können so den Baum töten. Rinden enthalten viele Bitterstoffe, die desinfizierend wirken. So enthält Weidenrinde die bekannte Salicylsäure, den Wirkstoff des bekannten „Aspirin“. Auch das Mädesüß kann als natürliches „Aspirin“ bezeichnet werden.

 

„Schafgesundmacher"

 

Jede Sennerin kannte früher einen Platz, wo die Meisterwurz (Peucedanum ostruthium) wuchs. Die „Königin der Alpen“ wurde als ganze Pflanze verwendet, als ein universelles Heilkraut. Frisch als Beifutter, als Tee, die Wurzel als Ansatz in Schnaps. Sie aktiviert die Verdauung und sorgt damit für Vitalität bei Tier und Mensch. Ein weiteres Kraut ist die Alpen-Mutterwurz (Mutellina adonidifolia), auch Madaun genannt. Die Schafgarbe (Achillea millefolium) hat ihren Namen von der Tatsache, dass es Schafe gerne fressen, und leitet sich auch vom Althochdeutschen „garwe“ ab, was „Gesundmacher“ heißen soll. Das Isländische Moos (Cetraria islandica), wurde ebenfalls zur Behandlung von Tieren und Menschen verwendet. Der „Grauperltee“ enthält viele Schleimstoffe und ist als „Keuchhusten-Tee“ bestens bekannt, der die Bronchien und Atemwege positiv beeinflusst. Die Bäuerinnen wussten auch, dass die Grauperln einen hohen Gehalt an Stärke haben und daher wurde das Isländische Moos als eine wertvolle Winterfütterung gesammelt. Abschließend möchte ich noch das Pech, die Harze unserer heimischen Bäume Fichte, Tanne und Lärche erwähnen. Es gibt außer Honig kein besseres Antiseptikum für die Wundheilung aus der Natur. Eine Pechsalbe wurde auf jedem Bauernhof für „Leut und Vieh“ hergestellt. Sie wurde früher bei Entzündungen, als Zugsalbe und auch bei Rückenschmerzen verwendet.

 

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