30.09.2021 00:00 Alter: 66 days
Kategorie: Aktuelles Heft, Startseite

Die schöne Bergsteigerin

Die Bündner Strahlenziege hat vermutlich einen wesentlichen Anteil daran, dass Menschen in den kargen und steilen Hochgebirgstälern der Schweiz dauerhaft leben konnten. Aus Dank dafür wurde sie gerade noch rechtzeitig vor dem Aussterben bewahrt.

Foto: ProSpecieRara

Die Bündner Strahlenziege entwickelte sich in den kargen Gebirgsregionen des Schweizer Kantons Graubünden. Dort spielte sie bis ins letzte Jahrhundert eine wichtige Rolle zur Versorgung der Bevölkerung mit Milch und Fleisch. Jede Familie besaß mindestens eine Ziege und es gab bis zur Wende zum 20. Jahrhundert mehr Ziegen als Menschen in Graubünden. Die Ziege ist marschfähig, trittsicher und widerstandsfähig. So ist es möglich, mit ihr extrem steile oder weit entfernte Flächen zu nutzen. Obendrein besitzt diese Rasse trotz dieser Lebensbedingungen eine recht hohe Milchleistung. Diese Fähigkeiten zu erhalten ist Ziel der heutigen Zucht. Die Bündner Strahlenziege ist somit bestens für die Landschaftspflege besonders im hochalpinen Bereich geeignet, wird jedoch auch vermehrt als wirtschaftliche Milchziege gehalten. Anfang der 1990er-Jahre wäre diese Schweizer Ziegenrasse beinahe ausgestorben, heute ist ihr Bestand im Steigen begriffen, sie ist aber immer noch gefährdet.

 

Schwarze Bündner Ziege

 

Die Bündner Strahlenziege ist an ihren namensgebenden hellen „Strahlen“ vom Maul bis zur Hornbasis leicht zu erkennen. Bei den Böcken sind diese nicht immer durchgängig. Ansonsten unterbrechen weiße Abzeichen an Ohren, Maul, After und Innenseite der Oberschenkel sowie weiße Stiefel das anthrazitfärbige bis schwarze, kurze Fell. Beide Geschlechter tragen Hörner, die bei den Böcken beeindruckende Maße annehmen können. Es wird aber auch eine genetisch hornlose Linie gezüchtet. Die Widerristhöhe für Böcke wird mit 75–90 cm, jene für Geißen mit 70–77 cm angegeben. Böcke wiegen 80–100 kg und Geißen 60–80 kg. Der Schweizerische Ziegenzuchtverband führt das Zuchtbuch für die Bündner Strahlenziegen und ist in regionalen Zuchtgenossenschaften organisiert. Die Vorfahren der Bündner Ziege, wie sie auch genannt wird, sind nicht genau bekannt. Man geht davon aus, dass sie eng mit der im Tessin beheimateten Nera-Verzasca-Ziege verwandt ist. 1913 wird die Schwarze Bündner Ziege das erste Mal urkundlich erwähnt, seit 1938 ist sie eine offiziell anerkannte Rasse und wird Bündner Strahlenziege genannt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Großbritannien die Milch-Hochleistungsrasse „British Alpine“ erzüchtet, an der die Bündner Strahlenziege vermutlich beteiligt war. Die Tiere sind ebenfalls schwarz mit weißen Abzeichen und die Strahlen werden dort „Swiss Markings“ genannt. Neben der Anglo-Nubier-Ziege und vier Schafrassen wurde die Bündner Strahlenziege heuer als Rasse in der Steiermark anerkannt.

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